Traumhunde-MV
  Ninies Tagebuch
 
Ninies Geschichte zeigt, das man zwar nicht alle Probleme lösen kann, aber es sich lohnt nie aufzugeben. Manchmal ist es klüger alles so zu lassen wie es ist, die guten Seiten zu genießen und den Hund in seiner eigenen Art erstrahlen zu lassen. Leg das Augenmerk auf das Gute, das Negative wird verblassen oder erscheint nicht mehr wichtig. Ninie ist ein Sonnenschein und mit all ihren Eigenarten, hat sie mein Herz erobert. 
Hier einige Auszüge aus ihrem Tagebuch, das ich im Forum für südländische Hunde für sie geführt habe.
 
März 2009

Ninie lebt zwar schon einige Jahre bei mir, aber es war immer ein ständiges auf und ab mit der kleinen Maus. In letzter Zeit entwickelt sie sich aber zu Miss Perfect, also hier mal ihre Geschichte in Kurzfassung.

Ninie (Ninja, kleines Mädchen) vor 6 Jahren auf Mallorca geboren. Sie wurde mit ca 3 Monate halb verhungert gefunden und in letzter Minute von Tierschützern aus der Tötungsstation gerettet. Sie war in Deutschland kurz in einer Pflegestelle und zog dann als Zweithund zu Schäferhündin Lucy bei uns ein. Zuckersüss und bezaubernd, als Colliemix, damals noch schneeweiß. Sie sollte 13 Wochen alt sein, spätestens als sie in der Welpenspielstunde wütete (anders konnte man es nicht nennen) kamen mir am Alter Zweifel auf. Sie wuchs auch nicht besonders viel und der TA datierte wenige Wochen später ihr Alter auf mindestens 6 Monate. Also hatte sie ihre Prägungs- und Sozialisierungsphase auf der Strasse bzw in der Tötungsstation verbracht. Das merkte man sehr schnell, sie knurrte Fremde an, reagierte bei fremden Hunden über, zeigte Jagdtrieb und bellte alles Fremde an. Ich sah das damals nicht so eng, Lucy war sehr freundlich und das würde schon werden. Ninie war und ist ein toller Hund, trotz der og Probleme sehr freundlich und sie lernte schnell und gerne. Wenn sie sich sicher fühlt war und ist sie ein lustiger Hund, der mit mir durch dick und dünn geht.
Leider wurde Lucy sehr krank und fing an Ninie abzulehnen. Es war ein verzweifelt Kampf mit den Mädels, aber am Ende waren sie ein Dreamteam. Mit Ninie ging ich weiter in die Hundeschule, sie war die Streberin der Klasse, ein Hund wie ich ihn mir immer gewünscht habe. Im Alltag versuchte ich soviel Sozialisierung nachzuholen wie möglich, aber durch Lucys Krankheit war es mir nicht immer möglich.
Ihr Misstrauen allen Fremden gegenüber blieb und leider machte Lucys freundlicher Überschwang es Ninie nur noch schwerer anstatt leichter, das konnte sie einfach nicht verstehen. Mit dem erwachsenwerden von Ninie verstärkte sich das Misstrauen, die jugendlich unbefangenheit war vorbei und der ernst des Lebens machte sie immer knurriger.
Mit ca 1,5 Jahren schien die Welt um sie herum immer feindlicher zu werden, von allem unbekannten fühlte sie sich bedroht. Allerdings wer erstmal ihr Herz errungen hat, den hatte sie wirklich lieb.
Aber ansonsten bellte sie alles an, egal ob Straßenlaternen, Stöcker die im Weg lagen, Statuen, Hunde, Menschen. Es wurde immer schlimmer und je mehr wir trainierten desto mehr tackerte sich ihr Stresslevel hoch. Dazu gesellte sich ein Jagdtrieb wie ich ihn nie zuvor gesehen hatte, bei Wildsicht schrie sie 10 Minuten am Stück. Von Menschen anfassen lies sie sich schon lange nicht mehr, knurrte jeden an der sie nur anschaute, stellte und verbellte auch, versuchte Joggern, Radfahrer zu jagen und rannte jeden Hund über den Haufen. Ich glaube sie hat kein Verhaltensproblem ausgelassen, ich war echt verzweifelt, je bemühter ich wurde, deso schlimmer wurde es. In vertrauter Umgebung oder der Hundeschule war sie weiterhin toll.
Irgendwann fing ich an diese Verhaltensweisen zu akzeptieren, ich verstand warum sie so reagierte und lies es langsamer angehen. Nicht das ich aufhörte daran zu arbeiten, aber langsam in Ninies Tempo, ohne Druck, dafür mit viel Spass und dem Augenmerk darauf was sie toll macht. Ihr Stressniveau pegelte sich auf einem normalen Level ein, je ruhiger ich wurde, desto mehr kam sie mit ihrer Umwelt klar. Gemeinsam eroberten wir gefährliche Dinge wie den komischen Stein am Wegesrand und langsam fing Ninie an auch ohne Gebell ihre Umwelt zu erobern. Duch Clickertraining lernte sie Dinge auszuprobieren und wurde mutiger. Ich suchte mir gezielt freundliche Rüden für Hundespaziergänge (ohne Lucy) und belohnte freundliches Verhalten Menschen gegenüber. Ich glaube sie war schon 3 Jahre, da begann ich gezielt wieder am Training mir fremden Menschen - Mensch- Leckerchen -Mensch-Leckerchen usw, das nur für max 3 Begegnungen pro Tag und ansonsten machten wir einsame Spaziergänge. Innerhalb weniger Tage verbesserte sich ihr Verhalten enorm, sie fing an sich an mir zu orientieren, freute sich fast über den Anblick von Menschen bzw kam zu mir wenn sie ein Problem hatte. Von da an ging es stetig bergauf, alles zu erzählen wäre zu viel, aber ich wurde für meine Geduld und Arbeit reichlich belohnt. Lucys Alter, Krankheit und Tod warf uns nochmal im Training zurück, Ninie war sehr besorgt, beschützte Lucy und war sehr traurig als sie ging. Aber seit Anfang des Jahres ist sie wie verwandelt, sie hat keine Sorgen mehr um die beiden alten Tiere und unsere Bindung ist so stark wie nie.
Unser heutiger Trainingsstand sieht so aus:
In den letzten Wochen konnte ich sie mehrmals von Rehen abpfeifen, nie niemals hätte ich das für möglich gehalten. Das bedeutet sie kann in vielen Gegenden frei laufen, auch wenn ich immer noch vorsichtig bin.
Gestern war ich mit ihr im Stadtpark, mit dem typischen Sonntagsbetrieb. Sie lief 3 Stunden ohnen Leine, sie lässt sich von fremden Menschen nicht stören, Jogger, Radfahrer sind ihr egal. Sie kommt von alleine ins Fuss wenn ihr etwas unheimlich ist bzw. geht einen Bogen. Blickkontakt oder ein Wort von Fremden ist für sie ok, nur wenn jemand nach ihr greift fängt sie an zu bellen, lässt sich aber sofort abrufen (kein knurren mehr). Bei Hundebegegnungen fixiert sie immer noch gerne und legt den borderschleichgang ein, aber sie lässt sich abrufen. Gestern lief sie frei in einer Hündinnengruppe und es gab keinerlei Anzeichen von Gezicke.
Natürlich wird sie nie der Hund sein, den ich unbedacht dallern lassen kann, sie braucht viel Führung und ein Leben lang Training. Besuch wird immer schwer bleiben (da ist sie immer noch furchtbar) , aber Fremde sind für sie kein Problem mehr und meine Aufgabe ist es zu schauen, das sie niemand anfasst. Sicher, wenn sie sich erstmal einbellt, kann es passieren, das sie nicht mehr aufhört und da hilft nur sie weg bringen, aber was solls, das Gebelle gehört eben auch zu ihr.
Ich bin megastolz auf die Kurze, sie gibt sich solche Mühe, arbeitet hart mit und ich bin so dankbar für das Vertrauen, das sie mir schenkt.
Sicher wird es auch bald einen neuen Hund an ihrer Seite geben, aber zur Zeit genieße ich einfach das Glück mit der Maus.

Ich werde an dieser Stelle gerne berichten ob sie weiter solche Fortschritte macht. Aber das was wir jetzt erreicht haben, ist viel mehr, als ich mir je zu hoffen gewagt habe!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!


Mai 2009

der letzte Monat war einfach unauffällig, was für uns heißt wir schweben auf Wolke sieben :uiui:
Wir hatten zwar keine großen Fortschritte, aber es ging juchu auch kein Schritt zurück.
Manchmal fehlt mir das Gebelle von Ninie fasst, so still ist sie geworden :e025:

Wir haben ziemlich viel unternommen und Ninie war immer tapfer mit dabei. Ich muss dabei immer noch bedenken, das sie bei Stress, gleich wieder unsicherer wird und Menschen eher komisch findet. Die vielen Walker und Jogger bei ihren Aufwärmübungen sind ihr echt suspekt und soooo gefährlich, da leine ich sie lieber an.

Hundebegegnungen laufen sehr gut, wobei ich immer mehr merke, das sie sich über bekannte Hunde freut, aber auf Fremde kann sie eher verzichten und sie zeigt schnell mal Zähne, aber das ist ok. Angeleint wird sie immer besser, eigentlich gab es keine Beller mehr. Verfällt sie in Schleichgang, nehme ich sie ins Fuss und ein mittelbreiter Waldweg ist kein Problem mehr.
Bei Wild ist sie zur Zeit sehr aufmerksam, puh einige Mal war es knapp und ich bin wieder sehr vorsichtig geworden und leine sie nur auf freien gut einsehbaren Flächen ab.

Ansonsten, ach ja sie findet zur Zeit mal wieder vergessene Gegenstände am Wegesrand mega komisch, oder gerade gestern, das im Bach ein Flasche liegt das brachte sie vollkommen aus der Fassung. Vor-und zurück, wuff, wuff - eben wie ein Welpe. Alles was nicht in ihre Welt passt ist eben schwierig

August 2009

Ninie war in den letzten Wochen großartig. Sie erwachsen geworden und ich habe das Gefühl zufrieden. Manche Leute sind noch anbellungswürdig - manchmal habe ich aber eher das Gefühl es ist eine alte Gewohnheit oder sie erzählt halt gerne. Mit fremden Hunden ist es tagesformabhängig, aber an sich auch kein Problem, sie wird nie jeden mögen, aber sie wird immer toleranter.
Ich hatte große Zweifel wie es mit einem Pflegehund wird, aber irgendwie hatte ich bei Rubio ein gutes Bauchgefühl. Am Anfang fand sie ihn etwas blöde, nicht das sie ihn nicht leiden konnte - sie stolzierte umher wie eine Prinzessin und Rubio war unter ihrer Würde. Aber der Kleine ist auch eine Schmeißfliege und wahrscheinlich hatte Ninie mit dem ignorieren eine bessere Strategie als wir. Was ich wieder gelernt habe, Ninie hat ein mega gutes Sozialverhalten. Klar sie spielt mit Getöse, Knurren und Bellen, das klingt erstmal gewöhnungsbedürftig, aber ansonsten setzt sie klare Grenzen und hat Rubio super erzogen. Sie fand irgendwie immer das richtige Mass, genau angemessen und Rubio hat schnell nur auf ein Zwinkern von ihr reagiert. Inzwischen sind die zwei toll zusammen, Ninie hat ihm gezeigt wie der Hase läuft und nun kann das Spielen und Toben losgehen. Rubios tolpatschige Freundlichkeit tut Ninie sogar sehr gut. Lucy war ja immer so überfreundlich zu jedem, das war für Ninie schwer, aber Rubio sagt kurz Tach und die Welt ist prima. Ninie beobachtet das und wir hatten schon Situationen mit Männer wo sie früher mega gebellt hätte und sie jetzt gelassen reagierte. Was mich erstaunt hat , das sie sich von Rubio alles wegnehmen ließ, keine Aggression, nur eine beleidigte Ninie - klar das war meine Aufgabe und jetzt macht er es nicht mehr.
Wir werden sehen, wie es ist, wenn Rubio in ein neues Zuhause zieht. Ich hoffe die zwei haben sich nicht zu sehr aneinander gewöhnt, schon allein deshalb denke ich Rubio sollte bald seine Menschen finden, auch wenn er uns sehr fehlen wird.
 
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